Warum auf einmal so erwachsen?

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Wie jeden Morgen stecke ich mir meine Kopfhörer in meine Ohren und höre Musik. Kleine Regentropfen fallen an die Fensterscheibe des Busses und kurz ist es so, als wäre man gar nicht da. Ich aktualisiere Facebook und sehe: nichts. Immer nur dasselbe. Ich schaue ein wenig weiter und finde einen Artikel, bei dem mir einfach nur schlecht wird. Eine Mutter schreibt, dass sie sich  Sorgen um ihren 13-Jährigen Sohn mache. "Er ist 13 Jahre und hat im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden noch keine genaueren Vorstellungen zu seiner Zukunft."




Ich habe schon meine genaueren Vorstellungen zu dem, was ich später mal machen möchte. Lehramt oder Mediengestaltung. So oder so ähnlich stelle ich mir das mal vor. Aber so richtig geplant habe ich noch nicht. Warum auch? Es dauert ja auch noch ein paar Jahre bis ich mein Abi mache, oder?
"Endlich mal etwas Sinnvolles", habe ich mir gedacht als wir gelernt haben, wie man eine Bewerbung schreibt. 
Und als ich mir die Frage stellte, was ich einmal machen möchte ... hatte ich das erste Mal das Gefühl, einen Schritt näher in Richtung "Zukunft" zu gehen. Komisches Gefühl. Sehr komisch.
Im Kindergarten oder in der Grundschule haben wir auf die Frage nach unseren Zukunftswünschen mit den typischen Sachen wie "Kinderärztin" oder "Schauspielerin" geantwortet. Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir im Sandkasten gespielt und die Wände voll gemalt. 
Auf einmal ist "Zukunft" gar nicht mehr so weit weg . 




Wir leben in einer schnelllebigen Welt. Die Welt zieht nur so an uns vorbei und irgendwie wollen wir auch alles mitnehmen. Wir leben in einer Welt, in der jeder irgendwelche Anforderungen an uns hat. In einer Welt, in der es fast so scheint, als dürfe man keine Fehler machen.
Gesellschaftsdruck. 
Es ist manchmal gar nicht so leicht, allem gerecht zu werden. Es werden ständig Dinge von uns verlangt, die wir so bald und so perfekt wie möglich abliefern sollen. 


Warum verlangt die Gesellschaft von uns 100% abzuliefern?
Ich bin Perfektionist - ein großer sogar. Aber manchmal habe ich das Gefühl, dass der Perfektionismus in mir sehr laut ist. Zu laut. 
Mir ist es auch schon das ein oder andere Mal vorgekommen, dass man eine blöde Fragen wie "Was war denn da los?" bekommt, wenn man mal nicht 100% abliefert. Da kommen schon auch Zweifel auf. Man zweifelt an sich selbst. An dem, was man getan hat. Es scheint wirklich fast so, als wird es von uns erwartet, 100% abzuliefern. 
Genauso ist es im Internet. Vielleicht kennt ihr es ja, diese Menschen, die scheinen nahezu perfekt zu sein.
Bauch einziehen. Selfie geknipst. Hier & da retuschieren. Filter drauf. Hochladen. Likes abwarten. 
Es scheint fast so, als wäre die Meinung der anderen am Wichtigsten für uns. Das, was andere über uns denken, nehmen wir ernst und denken darüber nach. Ich merke es bei mir selbst auch. 
Was andere über mich denken ist mir wichtig, und die ein oder andere Nacht liege ich schon mal wach und denke nach. Zu viel nach. Doch das Leben ist zu kurz, um sich über alle möglichen Dinge Gedanken zu machen. 



Warum auf einmal so erwachsen?
Nochmal zum Anfang: Ist es nicht irgendwie krank, dass man von seinem 13-Jährigen Sohn erwartet, dass er in diesem Alter einen genauen Plan für die Zukunft hat? So einen richtigen Plan hat keiner. Und wenn, kenne ich niemanden, bei dem es am Ende auch wirklich so war, wie er es geplant hatte. 

 "Manchmal wünsche ich mir, dass die Menschen die Welt mehr aus der  Sicht eines Kindes sehen. Als Kind sieht man Sachen ganz anders und wiegt wichtige und unwichtige Sachen ganz anders ab" 

So habe ich das in einem Video gehört. Wie wahr. Manchmal würde ich nochmal gerne so richtig Kind sein. Einfach mal machen. Ohne Planen. Ohne Tests und Arbeiten. Ohne irgendwelche Erwartungen. 


"Ich kenne keine perfekten Menschen. Ich kenne nur zerbrochene Menschen, die trotzdem absolut liebenswert sind. "
(John Green)




Kommentare:

  1. Hey Marie!
    Ich finde deinen Beitrag super. Ist mal was anderes und ich finde, du hast da ein wichtiges Thema angesprochen. Ich finde, Eltern erwarten heutzutage einfach zu viel. Die Kinder sind noch nicht einmal im der Schule und schon sind sie im Fußball, Ballette, Musikschule, Klavier usw usw. Kinder sollten Kinder sein dürfen.
    Sei ganz lieb gegrüßt.
    Katharina von blogundbeauty.blogspot.de

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  2. Schöner Post! Ich wusste ehrlich gesagt selbst kurz vor meinem Abi nicht richtig was ich wollte.. ich habe nun meine Ausbildung zur Tourismuskauffrau beendet und das war schon das richtige, obwohl ich nicht glaube, dass ich das mein Leben lang machen möchte. Aber der Grundstein ist gesetzt und ich hab mich in der Zeit so positiv geändert! Ich finde, so jung braucht man noch keine Vorstellung von der Zukunft. Wenn man eine hat ist super, aber das entwickelt sich ja alles erst!
    Ich kenne da ein tollen Song von Twin Atlantic zu dem Thema, der heißt "be a kid". :)
    <3 michelle // covered in copper

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    1. Da stimme ich Dir vollkommen zu! Ich wünsche Dir weiterhin alles Gute bei Deiner Ausbildung.:)

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  3. Oh man, ich liebe deinen Blog!
    Super toller Post!

    Alles Liebe,
    Flo von http://most--hated.blogspot.co.at

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  4. Schöner Post! Du hast das echt gut auf dem Punkt gebracht. Ich habe dieses Jahr Abi gemacht und studiere jetzt etwas, womit ich nicht zufrieden bin. Ich hatte nie richtig einen Plan, was ich machen wollte und oft hat sich meine Meinung geändert, aber ich weiß jetzt etwas, worauf ich wirklich Lust hätte und das werde ich ab dem Sommersemester machen!
    Ich finde es vollkommen übertrieben, wenn verlangt wird, dass man jetzt schon alles weiß, was man von der Zukunft möchte. Das wissen die wenigsten und es bringt auch nichts, weil wenn Pläne scheitern fühlt man sich schlecht, weil es nicht nach Plan läuft, dabei kommt vielleicht etwas viel Besseres oder auf Umwegen auch ans Ziel! Deswegen, sollte man es auf sich zukommen lassen. Mit 18 kann man nicht erwarten, dass man weiß, was man im Leben will oder was man für immer machen möchte und Meinungen ändern sich. :)! Ich stimme dir zu!
    liebe grüße, gabi <3

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    1. Vielen Dank für Deinen Kommentar! Ich finde es wichtig, dass man bei dem was man macht glücklich ist ... man arbeitet schließlich sein halbes Leben lang. Wie soll man also bei einem Beruf, der eigentlich gar nicht das ist was man möchte, glücklich sein? Stimme ich Dir zu:)
      Also alles Gute weiterhin!:)

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  5. Tja, die liebe Zukunft und das mit dem 100% Prozent geben. In meiner Klasse wissen alle, wie gerne ich schreibe. Sobald ich jedoch kein perfekter Text abgebe, wird schon wieder gemurmelt.
    Was die Zukunft anbelangt. Da habe ich soeben einen Vertrag für die nächsten drei Jahre unterschrieben. Ich bin froh, dass ich schon früh (was heisst schon früh, ich bin immernoch gerade erst 14) wusste, was ich machen wollte. Doch auch ich kenne Mitschüler, die noch keine Ahnung haben.
    Toller Text
    kiss, cleo
    www.creativschreiben.blogspot.com

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    1. So geht es mir leider auch ziemlich oft.
      Und die, die es noch nicht wissen...ist auch okay, irgendwann weiß man was man machen möchte.

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  6. Ps: Ich habe einen Post geschrieben, welcher auf deinem basiert. Habe dich verlinkt
    kiss, cleo

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    1. Habe mich riesig gefreut! Das ist das, was ich erreichen möchte - Menschen zum Nachdenken anregen! Über Deinen Beitrag habe ich mich soo gefreut:)

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  7. Toll geschrieben, hast das Thema echt auf den Punkt gebracht- besser hätte man es nicht schreiben können! Die Frage "Was war denn da los?" nach einer schlechten Note hasse ich. Wir Menschen sind einfach keine Maschinen.

    LG Cella♥ | Hier geht's zu meinem Blog

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  8. Wirklich toller Ppost! Ich kann deine Meinung da nur teilen. Schade, dass man sich nicht einfach aus so einer Welt zurückziehen kann.

    Liebste Grüße <3

    http://thisissophiex.blogspot.de

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  9. Hallo liebe Marie,

    ich finde deinen Beitrag zu diesem Thema sehr interessant und ziemlich wichtig für die heutige Gesellschaft. Viele wissen in diesem Alter mit 12/13 noch nicht, was sie später ausüben möchten, die Zukunft scheint ja noch so weit entfernt.

    Da du auch das Thema "Perfektionismus" angesprochen hast, kannst du ja gerne mal auf meinem Blog schauen, ich habe heute einen neuen Beitrag zu diesem Thema hochgeladen.

    Einen angenehmen Sonntagabend, Marie
    http://marieceliine.blogspot.de

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  10. Ein toller Post, ich habe mich echt darin wiedergefunden und ich verstehe dich sehr gut, so geht es mir mit dem erwachsen werden und der Zukunft auch.
    Liebst, Lea.

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  11. Liebe Marie,
    dein Post ist dir total gelungen. Er bringt auf den Punkt, was wir uns alle besser zu Herzen nehmen sollten! Die Zitate sind super ausgewählt und dein Post bringt mich wirklich zum nachdenken.
    Liebste Grüße, Sally-Anne
    www.xosallyanne.blogspot.de

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  12. Ein wirklich sehr schön geschriebener und inspirierender Post! Ich selbst mach dieses Jahr Abi und werde für ein Jahr lang in die USA als AuPair gehen (wenn alles so funktioniert, wie es geplant ist). Aber danach? Naja ein paar Pläne was ich gerne machen würde habe ich schon aber wie kann man nur wissen ob man sich wirklich für das richtige entschieden hat...

    Liebe Grüße Cece
    http://lenoceur.blogspot.de

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